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Seit seiner Lektüre des Schernerschen Traumbuches im jugendlichen Alter dauerte es zwei Jahrzehnte, bis Freud den Wert der Traumdeutung zu entdecken begann. Seine Patienten erzählten ihm ihre Träume und lehrten ihn so, „daß ein Traum in die psychische Verkettung eingeschoben sein kann, die von einer pathologischen Idee her nach rückwärts in der Erinnerung zu verfolgen ist. Es lag nun nahe, den Traum selbst wie ein Symptom zu behandeln und die für letztere ausgearbeitete Methode der Deutung auf ihn anzuwenden“ (Freud 1900a, S. 105) - soweit Freuds eigener Rückblick.
Freud entwickelte seine Methode der Traumdeutung in der Arbeit mit den Kranken und in seiner Selbstanalyse, also in einer klinischen Situation. Als geschulter Forscher wußte er gleichwohl, daß eine gut fundierte Methode der Schlüssel zu verläßlichen Entdeckungen ist. Von daher ist es kein Zufall, daß er seine Methode der Traumdeutung an den Anfang der großen Traumdeutungs-Monographie (1900a) stellte. Er nannte sie sein wissenschaftliches Verfahren und gab ihr damit von vornherein eine doppelte Bedeutung: als Erkenntnisinstrument der psychoanalytischen Wissenschaft und als Bestandteil der psychoanalytischen Behandlung. In der Geschichte der Psychotherapie war er der erste gewesen, der die Traumdeutung als systematische psychotherapeutische Technik eingeführt hatte. Zu dieser Zeit war er der Ansicht, daß das Ziel der Erkenntnis und die therapeutische Absicht zusammenfielen, daß die Lösung des Traumrätsels und die Auflösung des psychopathologischen Gebildes eins seien (1900a, S. 104), so daß derselbe Weg der Traumdeutung zugleich zu beiden Zielen führte. Wir wissen, wie ungemein fruchtbar die Traumdeutung für Freuds Entdeckungen über die Traumarbeit und die Psychologie des Unbewußten geworden ist, und wie unverzichtbar sie bis heute ist für die psychoanalytische Arbeit mit Kranken, weil sie einen Königsweg zu ihrem Unbewußten weist.
Doch hat Freud mit seiner doppelten Zielsetzung ein Problem angezeigt, auf das