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Seit Freuds epochalem Gesamtentwurf einer Traumdeutung, die er bekanntlich als die „via regia zum Unbewußten“ bezeichnete, fällt auf, daß die nachfolgenden Generationen von Psychoanalytikern sich in ihren Veröffentlichungen überraschend wenig mit Träumen beschäftigen. Auch in klinischen Falldarstellungen spielt der Traum eher eine untergeordnete Rolle. Die Gründe für diese Entwicklung sind vielfältige: die Überbetonung des latenten Traums verbunden mit der Unterbewertung der manifesten Ebene und der Traumerzählung, die Überforderung der Psychoanalytiker durch das Jahrhundertwerk Freuds, sowie deren zunehmende Tendenz zur Vernachlässigung des Unbewußten in Richtung einer Bewußtseinspsychologie u. ä. Erst in neuerer Zeit haben sowohl die experimentelle Traumforschung als auch die Traumaforschung die Untersuchung von Funktion, Stellenwert und verändernder Bedeutung von Träumen in Gang gebracht. Meine Absicht ist es, mit dieser Arbeit den Entwicklungs-und Veränderungsaspekt von Träumen im Verlauf einer langjährigen psychoanalytischen Therapie zu demonstrieren und damit einen qualitativ-interpretativen Beitrag zur Traum- und auch zur Traumaforschung zu leisten.
Die 30jährige, verheiratete Patientin, Philologin und jüngste Tochter einer kinderreichen Familie aus dem bäuerlich-katholischen Milieu einer österreichischen Gemeinde, suchte mich auf wegen schwerer depressiver Zustände und einer paranoid anmutenden Angstsymptomatik - sie sah „Gesichter am Fenster“, hatte Dunkelängste und Verfolgungsvorstellungen zusammen mit der Befürchtung, umgebracht zu werden. Beide Eltern waren behindert, die Mutter mit chronischem Asthma, der Vater hatte aufgrund einer Kriegsverletzung ein Bein verloren. Die Patientin erwähnte sehr früh zahlreiche Fehlgeburten innerhalb der Familie, Sterilisationen bei ihren äl