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Im Postskriptum zu seinem Brief vom 22.II.1910 aus Berlin an Freud fragt Karl Abraham:
„Haben Sie vielleicht den Artikel über Traumdeutung in der Frankfurter Zeitung gesehen? Der Verfasser ist einer meiner Patienten. Der Artikel ist sehr intelligent geschrieben, nur am Schluß kommt Widerstand, natürlich gegen die Wunscherfüllung. Sie werden den Artikel wohl vom Verfasser direkt erhalten“.2
In seiner Antwort vom 24.II. schreibt Freud:
„Den klugen Artikel in der Frankfurter Zeitung habe ich bekommen und eigentlich an die Versicherung, daß er vor Lektüre des Buches geschrieben worden, nicht geglaubt.“3
Erst durch Hitschmanns Angabe in seiner Arbeit „Freud's Neurosenlehre“ ist der Name des Verfassers dieses Artikels und die genaue Quellenangabe zu erfahren4: „Eberhard Buchner, ‚Traum und Traumdeutung‘. Feuilleton d. ‚Frankf. Ztg.‘ vom 30. Jänner 1910“.
Im 1. Morgenblatt der Sonntagsausgabe der ‚FZ‘ schreibt dort Eberhard Buchner (Eichwalde bei Berlin):
„Vor einigen Jahren hat Sigmund Freud sein Buch über den Traum geschrieben. Ich kenne es noch nicht. Aber sein Grundgedanke ist so genial, so einleuchtend, daß er mich sofort lockte, die persönliche Nutzanwendung daraus zu ziehen, und der Erfolg ist verblüffend.“
1909 war die 2. Auflage der „Traumdeutung“ erschienen; in nichtärztlichen Kreisen wird die 1. Auflage eher bekannt bzw. zur Kenntnis genommen worden sein als im Kollegenkreise.5
Daß die ‚Frankfurter Zeitung‘ nicht nur für Feuilleton-Maßstäbe etwas in der Länge gedruckt hat, sondern dazu auch noch drei Leserbriefe6, soll im folgenden nun zu Betrachtungen über die Bedeutung des Buchnerschen Artikels, zum Forum in dieser Zeitung und schließlich zum Verfasser selbst Anlaß geben.
Die Zeit, zu der Buchner seine Freud-Rezension schreibt, ist die glückliche Zeit, die ‚Morgenröthe‘ der Psychoanalyse, noch jenseits der Schismen, Häresien und schmerzlichen Trennungen von Kollegen und Schülern vom Meister.