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Die typische Biographie eines Wiener Juden, den Hitler 1938 aus seiner Heimat vertreibt, Flucht mit Frau und Tochter in die USA, Beginn in New York. Man lebt von einem kleinen Stipendium in einer engen Wohnung in einem lärmenden schlechten Viertel, lernt Englisch durch nächtliche Kinobesuche, macht das Medizinische Staatsexamen nach, versucht, die analytische Ausbildung abzuschließen. Im Sommer ist die Wohnung unerträglich heiß. In Feriencamps verdient er als Arzt etwas dazu. Dann Militärarzt. Das ist die Herausforderung zu einer „Psychopathologie der US-Armee“ und zu einer Studie über „Die Seele des Rekruten“ - scharf, bloßstellend. Ein Humanist sieht die Praxis des Militärdienstes. Es ist mein erster Abend im Hause Eissler - 18. Mai 1950 - ich höre bewegt und erregt zu. Soviel Mühsal, Elend, Verlust. Wir sitzen in einer wunderschönen Wohnung, Central Park West mit Blick auf die Bäume. Hier lebt er - nicht eigentlich angekommen - mit Möbeln, Büchern, vielen Büchern und Bildern aus Wien, in einem Wien, das es nicht mehr gibt. Er spricht Englisch mit dem bekannten Wiener Akzent. Hier bleibt er bis zu seinem Ende.
Er will wissen, wie ich die 12 Nazi-Jahre erlebt, wie den Krieg überlebt habe, fragt nach meiner Frau und nach meinen Eltern, nach meiner Arbeit. Es ist eine teilnehmende Neugierde. Ich fühle mich nicht exploriert. Dem jungen Psychiater in psychoanalytischer Ausbildung zeigt er keine Überlegenheit. Er ist freundlich, hilfreich, bespricht meine Studienreise, gibt Empfehlungen an Freunde. Er ist höflich im altmodischen Sinne. Zuerst schreibt er „Sehr geehrter Herr Doktor“, später „Sehr geehrter Herr Professor“, unterzeichnet „Mit vorzüglicher Hochachtung Ihr ergebener“. Nur zweimal erlebe ich ihn näher, wärmer: Als ich ihm in Frankfurt die Geburt unserer Tochter mitteile, als er mir nach dem Tode seiner Frau den schmalen Band mit Gedichten von ihr zuschickt. Darin ein Liebesgedicht an ihn, das ich nie vergesse.
Über Eissler schreiben. Womit anfangen? Dieses Lebe