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1895 schrieb Freud in der kurzen Spanne von nur drei Wochen - »im Schreibfieber« (1985c, S. 147) - jenes ca. 100seitige Manuskript, das wir den Entwurf nennen.2 Es ist der erste Versuch Freuds, seine Vorstellung vom psychischen Apparat, von dessen Struktur und Arbeitsweise zu Papier zu bringen, »gemodelt und korrigiert nach einzelnen tatsächlichen Erfahrungen«, wie es im Text heißt (1950c, S. 438). Diesen Apparat denkt Freud sich aus distinkten, »materielle[n] Teilchen« bestehend, den Neuronen, die sich in drei mit den griechischen Buchstaben φψω (Phi/Psi/Omega) bezeichnete Neuronensysteme differenzieren. Die Erregungsvorgänge im Apparat, d. h. die psychischen Vorgänge, werden als fließende Quantität aufgefaßt, die zwischen den Neuronen zirkuliert und diese verschieden stark zu erregen, bzw. wie es im Entwurf auch heißt, zu besetzen vermag. Eine »Art Ökonomik der Nervenkraft« nennt Freud dies (1985c, S. 130). Er schließt mit seinem Ansatz an die Forderung des zeitgenössischen Szientismus an, sämtliche Phänomene der Natur zurückzuführen auf Bewegung und Materie. In diesem von der Neurologie und Elektrophysiologie der Zeit geprägten Vokabular formulieren sich im Entwurf wesentliche Axiome der psychoanalytischen Theoriebildung: die Gegenüberstellung von Primär- und Sekundärprozeß, das Ich, die Abhängigkeit des Denkens vom ersten Befriedigungserlebnis, das Trauma, die Nachträglichkeit, die Bedeutung des Sexuellen etc. Wie selten eine Schrift dokumentiert der Entwurf die gegenstrebige Fügung unterschiedlicher Diskurse, die vielleicht bei jeder Entstehung von etwas Neuem im Spiel ist. Er gibt Einblick in den Prozeß der Erfindung der Psychoanalyse.
Freud schrieb diesen Text nicht zur Veröffentlichung. Er begann mit der Niederschrift