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Vorbemerkung von Kata Steinberger, Köln
Der hier neuerlich publizierte Aufsatz von Lillian Rotter »Über die Psychologie der weiblichen Genitalität« aus dem Jahre 1933 zeugt von der Originalität der Budapester Schule der Psychoanalyse. Die Budapester Schule zeichnete sich durch die Suche nach neuen Wegen, Erfahrungen und Einsichten in der Psychoanalyse aus. Ein guter Beweis dafür ist der nachfolgende Aufsatz, der für die damaligen Verhältnisse fast revolutionäre Ansichten über Penisneid, Objektwechsel der Mädchen usw. vertrat. Die Arbeit wurde ursprünglich als Vortrag am 22. 4. 1932 vor der Ungarischen Psychoanalytischen Vereinigung gehalten. Sie erschien 1933 in einem Aufsatzband zum 60. Geburtstag von Sándor Ferenczi.
Sándor Ferenczi hatte noch zu Lebzeiten seinen Einfluß geltend gemacht, damit die neuen Ideen von Lillian Rotter über die weibliche Sexualität in der Internationalen Zeitschrift für Psychoanalyse erscheinen konnten, wo sie dann auch 1934 veröffentlicht wurden. Die Autorin Lillian Rotter und ihre originellen Ideen sind seitdem in der internationalen psychoanalytischen Bewegung in Vergessenheit geraten, zu Unrecht, wie der untenstehende Aufsatz zeigt. Das gleiche Schicksal erlitten ihre späteren interessanten Arbeiten, so der in der Internationalen Zeitschrift für Psychoanalyse erschienene Aufsatz mit dem Titel »Der tiefenpsychologische Hintergrund der inzestuösen Fixierung«, in dem sie den präödipalen Hintergrund der inzestuösen Fixierung unter besonderer Berücksichtigung der Frustrationen der frühen Mutter-Kind-Beziehung betont hat. Eine weitere Arbeit »Urethralerotik und Charakterentwicklung«, die in den 40er Jahren entstand, konnte in der Zeit des Faschismus nicht erscheinen. Die 1981 um vierzig Jahre verspätete Veröffentlichung in der italienischen Zeitschrift »Il Piccolo Hans« hat sie nicht mehr miterlebt.