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In einer Fallreinterpretation des Kleinen Hans, Freuds berühmten ödipalen Musterfall, habe ich die Beschneidung als ein (vergessenes) Ereignis der prähistorischen Kindheitsperiode von Herbert Graf — so der richtige Name des jüdischen Knaben — eingeführt und als bedeutsames Moment seiner Krankengeschichte bewertet (Maciejewski 2002, 2003). Die These, wonach der ödipale Konflikt des Kleinen Hans nur aus dem traumatischen Erbe der Beschneidung wirklich verstanden werden kann (»traumatischer Ödipus«), setzt naturgemäß die Tatsache der Beschneidung als gegeben voraus. Genau an dieser Stelle hat der holländische Psychoanalytiker Adriaan de Klerk (2004) Einspruch erhoben. Zwar stützt er mit Verweis auf die Ergebnisse der experimentellen Säuglings- und Traumaforschung die These des Autors, daß sich die Säuglingsbeschneidung potentiell traumatisch auswirke, auf wünschenswerte Weise; zugleich stellt er jedoch in Frage, ob sich dies paradigmatisch am Fall des Kleinen Hans (anders als etwa am Fall des »Rattenmanns«) zeigen lasse, denn: »Nach meinen Informationen wurde der Kleine Hans als Säugling nicht beschnitten. Die israelitische Kultusgemeinde Wien ließ mich wissen, das von Herbert Graf zwar ein Geburtsdatum vorliegt, aber kein Brith Mila-Datum« (de Klerk 2004, S. 465).
Mit der Berufung auf die Autorität des Matrikelamtes der israelitischen Kultusgemeinde in Wien (dem Geburtsort von Herbert Graf) liegt de Klerk ohne Zweifel richtig. Ich selbst bin im Zuge der Recherche über die Beschneidungspraxis im Hause Freuds auf diese letztendliche Instanz hingewiesen worden. Um einen vergleichbaren Sachverhalt, daß nämlich Freud selber seine drei Söhne nicht hat beschneiden lassen, bestätigt zu finden, wandte ich mich an Sander L. Gilman, der meines Erachtens als erster auf diesen bemerkenswerten Tatbestand aufmerksam gemacht hat (Gilman 1993, S. 136). Er schrieb dem Autor auf eine entsprechende Anfrage: »Freud's male children were not circumcised, as there were no entries in the commu