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Nach seiner 2006 unter dem Titel Das Risiko der Verbundenheit - Intersubjektivitätstheorie in der Praxis erschienenen Einführung in die intersubjektive Behandlungspraxis hat Chris Jaenicke nun nachgelegt und einige seiner im ersten Buch dargestellten Thesen weiter ausgearbeitet und vertieft. Ein besonderes Anliegen ist ihm hierbei, einer verbreiteten Tendenz entgegenzuwirken, in der Behandlungspraxis allgemeinen theoretischen und technischen Erwägungen zu folgen, statt sich so weit als möglich auf den intersubjektiven Prozess einzulassen. Nach dem intersubjektiven Verständnis der Psychoanalyse, wie es konzeptuell von Stolorow, Atwood, Brandchaft und Orange ( und ) ausgearbeitet wurde, ist Erkenntnis und Verstehen in der Psychoanalyse immer hochgradig kontextabhängig (vgl. Kunzke 2011, S. 598).
Jaenicke führt anschaulich vor Augen, welch fundamentale Wende die intersubjektive Position mit sich bringt, vor welche Herausforderungen sie den Analytiker stellt, aber auch welche Möglichkeiten sich dadurch eröffnen. Der Autor legt eindringlich und überzeugend dar, dass wir zu jedem Moment der Behandlung Teil eines von uns mit kreierten intersubjektiven Feldes sind und die Annahme, es gäbe für uns eine neutrale Warte, von der aus es uns gelingen kann, den dynamischen Prozess frei von subjektiven und intersubjektiven Einflüssen zu analysieren, eine Illusion darstellt. Jede Position, die wir dem Patienten gegenüber einnehmen, jeder Gedanke, den wir entwickeln, jede affektive Tönung und Regung, die in uns entsteht, ist in jedem Moment kontextabhängig und Resultat zweier aufeinandertreffender Erfahrungswelten, die in ihren eigenen Entwicklungsgeschichten wurzeln. So wenig wir uns, erkenntnistheoretisch gesehen, außer uns stellen können, so wenig können wir im intersubjektiven Feld dieses von außerhalb verstehen. Diese Illusion kann den analytischen Prozess massiv behindern. Dies kann zum Beispiel geschehen, wenn eine Deutung erfolgt, die vom Therapeuten für objektiv und inhaltlic