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Karola Brede (2015) hat sich vorgenommen, meinen Aufsatz »Macht der Kapitalismus depressiv?« (Dornes 2015) einer kritischen Prüfung zu unterziehen. Sie stellt fest, ich hätte mich mit »verwunderlicher Heftigkeit« gegen eine breite Auswahl an Kapitalismuskritikern gewendet, und kommt bezüglich meiner Person zu folgendem Resümee: Dornes pflegt eine Sprache, die gleichgültig und zynisch ist - und das nicht nur den Menschen, sondern auch den Verhältnissen gegenüber. Er »sortiert« Menschen und redet der verantwortungslosen Benachteiligung von Behandlungsbedürftigen das Wort. Überdies macht er Anleihen bei der behavioristischen Stressforschung, wenn er den Gestressten empfiehlt, ihre Belastungsfähigkeit zu trainieren. Außerdem plündert er die Psychoanalyse und verschleudert ihr kulturanalytisches, strukturtheoretisches und triebpsychologisches Kritikpotential. Das klingt »verwunderlich heftig«. Wie lauten nun Bredes Argumente jenseits solcher abwegigen Polemiken (Teil I)?
Während Karola Brede mir eine als Epidemiologie verkleidete Apologie des Kapitalismus attestiert, geht Götz Egloff (2015) in seinem Kommentar noch ein paar Schritte weiter. Er behauptet u.a., dass sich die Grundfrage, ob der Kapitalismus depressiv mache, mit den von mir dargestellten Methoden und Befunden gar nicht beantworten lasse. Wenn das richtig wäre, müssten kapitalismuskritische Autoren wie Rosa (2011), Schmiede (2011), Voss & Weiß (2013), Weiß (2013) u.v.a., die aus denselben Daten ihre Steigerungsfeststellungen ableiten, ebenfalls irren. Neben dieser unsubstantiierten Behauptung finden sich in seinem Aufsatz viele dunkle Formulierungen und problematische Aussagen. Meine Stellungnahme zu einigen davon erfolgt in Teil II.
Ingo Engelmann (2015) stört sich in seinem Kommentar daran, dass ich »unverhohlen konservativ« bin (S. 767). Das bin ich nicht, obwohl ich das nicht anstößig fände. Angeblich bin ich auch affirmativ. Auch das fände ich