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Der Ausdruck »Scham« kommt in Winnicotts Schriften, soweit ich in den Sachregistern sehe, nicht vor. Auch nicht in dem kurzen Text The Psychology of Madness, dessen erstmalige Übersetzung ins Deutsche in der Psyche 2018 abgedruckt war. »Scham« kommt auch in keinem der drei Kommentare vor, die dem Erscheinen des Textes gewidmet waren. Das ist erstaunlich, weil es der Sache nach bei Winnicott um die Phänomene Beschämung und Scham geht. Die Psychologie der Verrücktheit wäre als Psychologie der Scham, die Angst vor Verrücktheit als Schamangst zu verstehen. Dann, so meine ich, käme die Radikalität des Textes, zu ihrem Recht. Abram betont in ihrem Kommentar, dass Winnicott Freuds (und auch Melanie Kleins) Formulierung des Todestriebes nicht akzeptiert und in seinem Spätwerk mit dem Konzept vom Überleben des Objekts eine Alternative angedeutet habe; nur angedeutet, nicht ausgesprochen (2018, S. 316). Sie sieht in Winnicotts Beitrag »eine Revolution à la Thomas Kuhn« (S. 311), die zu einem Paradigmenwechsel in der Psychoanalyse geführt habe (S. 311). Doch auch sie lässt die »Verrücktheit« unaufgeklärt. Auch sie scheint die qualifizierende Bemerkung Winnicotts - »Es ist wichtig, dass »Überleben« in diesem Zusammenhang »Sich-nicht-Rächen« bedeutet« (1985, S. 107) - übersehen zu haben. Rache (und mehrmals ist von »Vergeltung« die Rede) wäre die Reaktion auf eine narzisstische Kränkung. Wenn Erwachsene sich rächen oder Vergeltung üben, überleben sie nicht in dem von Winnicott gemeinten Sinn, womit eine Veränderung ihrer Eigenschaften und Verhaltensweisen verbunden sei (S. 108): Der Erwachsene verleugnet die Kränkung und beschämt seinerseits das Kind.1