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Ulrich Kießling konzentriert sich in seinem Abgesang auf das Verschwinden der Pädagogen aus der Psychoanalyse1 - wir sind ihm dankbar für den informativen Überblick über die Geschichte der Pädagogik in der Entstehung der psychoanalytischen Gemeinschaft, wollen aber nicht einfach einstimmen in den Abgesang, sondern einige darin enthaltene Stolpersteine betrachten.
Erster Stolperstein: Was verschwindet denn eigentlich aus der Psychoanalyse?
Von Anfang an »verschwanden« Analytiker aus der Gemeinschaft, man denke an Adler, Stekel, Tausk und Jung. Dann, mit Beginn der Nazi-Diktatur, »verschwanden« die jüdischen Psychoanalytiker, wurden ermordet in den KZ oder mussten in die Emigration gehen. Nach 1945 »verschwanden« im neu geschaffenen Beruf des Psychagogen die Kinderanalytiker. In den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts »verschwanden« alle Akademiker, die nicht medizinisch oder psychologisch vorgebildet waren.
Führt man sich dieses vielfache »Verschwinden« vor Augen, so kommt man nicht umhin, es als stetiges Anpassungs- bzw. Unterwerfungsgeschehen unter jeweils herrschende Bedingungen zu begreifen.
* Bei der Redaktion eingegangen am 31.8.2020.
(2020): Vom Verschwinden der Pädagogen aus der Psychoanalyse. Ein Abgesang. Psyche - Z Psychoanal 74, 536-540. DOI 10.21706/ps-74-7-536.
Wie könnte sich solch ein Prozess anders auswirken denn als stetige innere Verarmung?
Die Psychoanalytiker, die verschwundenen und auch die gebliebenen, arbeiteten weiter. Kießling beschreibt die »Entfaltung der Kinderanalyse im Exil«, so in England und auch in den USA. Diejenigen, die sie ausübten, verstanden sich als Psychoanalytikerinnen, nicht als Pädagoginnen. Auch in Deutschland veränderte sich der Beruf der Psychagogin hin zur analytischen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin, von der pädagogischen Betreuung neurotischer Kinder hin zur Kinderanalyse, auch wenn die Kinderanalytiker in Deutschland lange Zeit Hemmungen hatten, sich so zu nennen, obwohl deren Ausbildung, wie auc