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In ihrem letzten Beitrag für die Psyche hat die vor kurzem verstorbene Sexualwissenschaftlerin und Psychoanalytikerin Sophinette Becker viele der Schwierigkeiten benannt, die die heutigen Debatten über den Umgang mit Transsexualität aus psychoanalytischer Sicht prägen.1 »You can always get what you want - Psychoanalyse in neoliberalen Zeiten« (Becker 2019) überschrieb sie ihren Kommentar zu Griffin Hansburys breit diskutiertem, preisgekröntem Aufsatz über das »männliche Vaginale« (Hansbury 2019). Kern ihres Einspruchs gegen den Text des transsexuellen amerikanischen Kollegen, der sich mit dem Körperempfinden »queerer Männer an der Transgender-Schwelle« auseinandersetzt, war, dass sich der Autor ihres Erachtens nur für das Auftauchen und Zulassen jener Phantasie interessiert, nicht aber für ihre psychodynamische Funktion. Und das entspreche, so schrieb sie damals, dem heute mehrheitlich geforderten Umgang mit Transidentität: Ein psychoanalytisches Verstehen transidenter Patienten werde heute oft automatisch »als transphob gebrandmarkt« (Becker 2019, S. 594).
Aus ihrer langjährigen Erfahrung als Therapeutin und Gutachterin im Rahmen des »Transsexuellen-Gesetzes« (»Gesetz über die Änderung
* Bericht über die vom Ethikverein e.V. - Ethik in der Psychotherapie veranstaltete Tagung »Umgang mit Transsexualität - insbesondere bei Jugendlichen unter ethischen Gesichtspunkten«, die am 11.6.2021 als Zoom-Konferenz online stattfand.
Bei der Redaktion eingegangen am 31.11.2021.
Die Arbeit an dem Tagungsbericht wurde durch ein Stipendium der VG Wort im Rahmen des Programms »Neustart Kultur« gefördert.
der Vornamen und die Feststellung der Geschlechtszugehörigkeit in besonderen Fällen«; vgl. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz 1980) berichtete sie, zunehmend mit »Reuefällen« konfrontiert zu sein (Becker 2019, S. 593), also mit Patienten, die eine geschlechtsangleichende Operation im Nachhinein bereuten und wieder in ihr altes Geschlecht zurückkehren wollten. Als be