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Hermann Swoboda ist in der Freud-Biographik bekannt als Beteiligter an dem Plagiatsstreit, den Wilhelm Fließ 1906 gegen ihn, Otto Weininger und im Hintergrund gegen Freud selbst vom Zaun brach (vgl. zuletzt Porge 1991, 1994). Die Literatur- und Kulturgeschichte beschäftigt sich mit ihm vor allem in Verbindung mit Weininger (z. B. Rodlauer 1990). En passant wird in der Forschung darauf hingewiesen (Hermanns & Schröter 1990, S. 69), daß er zu den frühen Schülern gehört, die Freud schon vor Gründung der Mittwoch-Gesellschaft zu gewinnen suchte, die aber nicht in den Strom der eigentlichen psychoanalytischen Schulbildung eingegangen sind.
Im folgenden werden weitere Informationen über diese Schülerschaft vorgelegt, die für Freud in einer Enttäuschung endete. Sie verdienen schon deshalb Aufmerksamkeit, weil sie sich auf die „dunklen Jahre“ in Freuds Leben zwischen dem Ende der Fließ- und dem Beginn der Jung-Briefe beziehen. Im Zentrum steht Swobodas als Habilitationsschrift intendiertes Buch Die Perioden des menschlichen Organismus in ihrer psychologischen und biologischen Bedeutung (1904). Es enthält, was bisher wohl übersehen wurde, eine ausführliche, kritische Rezeption der Freudschen Traumlehre. Die Auseinandersetzung mit Swobodas Gegentheorie ist nicht nur in spätere Auflagen der Traumdeutung eingeflossen, sondern läßt sich auch in den Protokollen der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung bis 1912 verfolgen.
Das Interesse dieser Arbeit konzentriert sich auf Swobodas Verhältnis zu Freud und zur Psychoanalyse, mit wenigen Streiflichtern auf sein sonstiges Leben. Die Plagiatsaffäre mit Fließ bleibt ausgespart. Ihr wird ein anderer Aufsatz gewidmet sein, verbunden mit einer Edition der erhaltenen Stücke aus der Korrespondenz zwischen Freud und Swoboda, die Christfried Tögel zusammengetragen hat und mit mir zur Veröffentlichung vorbereitet.1
Swoboda wurde am 23. November 1873 als Sohn des Apothekers Hermann Swoboda in Wien geb