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1. Aus den Entgegnungen auf unsere Glosse (Blumenberg & Hegener 2012) haben wir entnommen, dass Wolfgang Schmidbauer und Matthias Franz mit Erstaunen und Empörung auf unsere Kritik reagiert haben. Wie kommt es, dass sie eine deutliche und heftige Entgegnung nicht erwartet haben? Sollten sie sich tatsächlich über den tieferen Gehalt und die Konsequenzen ihrer Kritik an der traditionellen, religiös motivierten Beschneidung nicht bewusst gewesen sein? Für diese Vermutung spricht, dass sie in ihren Entgegnungen bereits vergessen haben, was sich in ihren ursprünglichen Texten finden lässt. Schmidbauer sieht sich nun durch »martialische Deutungen« (Schmidbauer 2013, S. 179) verfolgt und vergisst offenkundig, dass er aus einer Bibelpassage eine perfide und heimtückische »Kriegslist« der Juden meint herauslesen zu können und aus dieser, die jüdische Religion diffamierenden Lesart eine traumatisierende Tradition deutet. Franz, dem es gerade darum gegangen war, »religiöse oder kulturelle Tabus« öffentlich in Frage zu stellen und gegen eine »Angst vor möglichen Konflikten« anzuschreiben, fragt sich angesichts unserer Deutung seiner »Enttabuisierung«: »Geht es noch schlimmer? Oder geht es nicht doch eine Nummer kleiner?« (Franz 2013, S. 184). Wir fürchten, nein. Denn gibt es »Schlimmeres« als ein ganzes Kollektiv, nämlich das der jüdischen und moslemischen Eltern und Tradenten, eines »traumatisch bedingten Empathiebruch[es]« (Franz) zu zeihen und sie als gewalttätig zu denunzieren? Wir halten es nicht für eine »Kleinigkeit«, ein Kollektiv, das nicht unwesentlich die abendländische Ethik und Kultur mitgeprägt hat, der Misshandlung, des Missbrauchs und der Vernachlässigung oder Verletzung der »Achtung« der kindlichen Würde zu bezichtigen. Geht es denn noch »schlimmer«, als den jüdischen und moslemischen Tradenten ein Nachdenken und Einfühlen in ihr eigenes Handeln abzusprechen, wie Schmidbauer es tut: »Kein nachdenklicher und einfühlender Mensch wird es billigen, dass Säuglingen